"Veni, vidi, ... - Reisenotizen in Bildern" Kroatien bis Portugal 2009-12.

Fotografien von Peter R. Fischer

Peter R.FischerEs geht um Sehnsucht, weniger um Fernweh, mehr um „nicht an einem Ort zu sein“, nicht an DEM Ort zu sein. Abenteuer und Flucht zugleich. Die Bilder sind nicht nach einer These zusammengestellt, die nur in einer von Hundertausend Situationen stimmt. Denn vielmehr stimmen in einer Situation eher Hundertausend Thesen. Weg von der Ratio, die ohne die Vielfalt der Emotionalität dem Leben gar nicht gewachsen ist und in Ersatzwerten oder Depressionen dahindümpelt (Keine These! Nur Summe zahlreicher sich wiederholender Erfahrungen in zig Jahren).

Dennoch: südliches Europa. In dem es – trotz wirtschaftlich schlechter Lebensumstände – etwas eindeutig mehr gibt als in Deutschland: Lebensfreude, soziale Kommunikation. Ohne hier etwas gutreden zu wollen, was nicht gut ist… Dann kommt immer der quälende Wunsch auf: warum geht nicht beides zugleich – deutsche solide Arbeit als Basis für südliche Lebensfreude. Es kann nicht nur an der Sonne liegen (Wir sind so krank wie unsere Wertvorstellungen!)…

Fremdes Leben als nicht darin Verwickelter aufsaugen, anstatt im Alltag untergehen. Eine Art „Reisebohémien“, der sich weigert, tagtäglich konkret abrechenbare und zu verwertende Werte zu schaffen. Ein unermüdlich arbeitender Luxusgänger. Abbilder, nach denen Niemand fragt, aber die „Niemand“ sich vielleicht wünscht, wenn „Niemand“ sie gesehen hat. Oder mehr noch: selbst in diesen Situationen, an diesen Orten zu sein. Und Leben als ewiges Unterwegssein verstehen. Ob hier oder dort…

Die Fülle der Fotos entsteht nur, weil ich mich asozial bewege, zwar den Blick für Orte und Menschen, doch keine (innere) Rast zur Kommunikation mit den Menschen, zur Beschäftigung mit der Geschichte von Landschaften und Orten. Dies würde den Blick für den Augenblick verstellen. Unterwegs (im Gegensatz zu zuhause) tagtäglich sehen, in welcher Fülle von Erlebbarem wir leben! Offen dafür zu sein. Für eine Weile kein Opfer gesellschaftlicher Zwangsbedingungen (die monatlichen Fixkosten beispielsweise). Ohne die würden wir vieles weniger benötigen und damit mehr Freiraum für uns und die Mitmenschen haben (Aber DER Kapitalismus funktioniert nur, wenn der Mensch in den Systemvorstellungen funktioniert!). Wenn der Staat nicht DIE Autoindustrie und DIE Banken sondern bezahlbaren Wohnraum fördern würde (Wer ist DER, DIE, DAS?)…

Eine Mischung aus Malerischem und Verfallenem, Plätze des Tourismus und Randgebiete. Tausende Fotos gewälzt und aussortiert und nie sicher, ob ich die richtigen gewählt habe. Jede zitierte Stadt hätte ein oder zwei eigene Ausstellungen mit diesem Blickwinkel verdient. Jedes Foto ein Puzzlestück. Es fehlen also viele Teile, es sind also viele Teile da. Neben aller Ausgrenzung ist etwas vom Unerschöpflichen zu sehen. Mit meinem Blick, dem eines Fremden, eines Rastlosen, ein Einblick, keine Dokumentation… Worüber auch?

Die Aufnahmen „en route“ bilden Übergänge und in dieser Bildauswahl die Zwischenräume als Ausgleich zur Reduktion auf Städtisches.